Dialoganalyse Agnes Peter Stamm Beispiel Essay

Lösung


Der Erzähler besucht eine Silvesterparty in Louises Elternhaus. Er ist der einzige Gast, den Louise eingeladen hat. Sie nimmt ihn mit in ihre Wohnung, dort schlafen sie miteinander.


I.       
Textanalyse: s.o. , Der Erzählerbericht ist grau unterlegt.

II.      Auswertung des Dialogs

  1. Situativer Kontext: nach einer gemeinsam verbrachten Nacht trennen sich der Erzähler und Louise. Louise fährt ihn nach Hause; sie unterhalten sich im Auto. Er möchte schnell zurück zu Agnes, sie möchte ihn halten. Im Dialog wird deutlich, dass Louise eine Fortsetzung der Beziehung wünscht, der Erzähler bleibt unverbindlich. Das passive Verhalten des Erzählers zeigt dem Leser, dass nach diesem Gespräch die Beziehung nicht fortgesetzt werden wird. Agnes bestimmt als Hintergrundthema das Gespräch.
  2. Thema: Es geht um die Beziehung der beiden Figuren. Louise offenbart ihre Gefühle, der Erzähler bleibt neutral, ausweichend. Folge: Louise ist enttäuscht, sie wird zynisch, der Erzähler scheut die Auseinandersetzung und flieht.
  3. Figuren/Figurenkonstellation: Louises Ziel ist es, den Erzähler zu halten. Sie setzt verschiedene Strategien ein: Fürsorge, Zärtlichkeiten, Liebesgeständnis, Ausblick auf eine mögliche Zukunft, Angriff, Vorwürfe, Anklagen. Sie zeigt sich als zunächst aktive, kämpferische Frau, die ihren Liebhaber halten möchte. Am Ende resigniert sie.
    Der Erzähler ignoriert ihre Annäherungsversuche, bleibt passiv, weicht aus, bekennt sich ansatzweise zu Agnes, bringt Vorwände. Er ist zu feige, ihr zu sagen, dass er sie nicht liebt, dass er keine Fortsetzung der Beziehung wünscht.
  4. Gesprächstyp: Das Gespräch ist ein Enthüllungsgespräch, da Louise erkennen muss, dass der Erzähler kein Mann für eine gemeinsame Zukunft sein wird.
  5. Gesprächsstruktur, -verlauf: Louise dominiert das Gespräch, sie hat den höheren Gesprächsanteil und geht immer wieder auf den Erzähler zu. Er weicht aus, ist in einer Verteidigungsposition, die in einer Selbstanklage gipfelt: „Ich bin kein guter Mann, Louise.“ Der Verlauf des Dialogs zeigt, dass Louise mit ihrem Vorwurf „Du bist nicht offen.“ recht hat. Der Erzähler scheut die offene Auseinandersetzung und eine klare Stellungnahme. Er bekennt sich zu keine der Frauen, sondern nimmt Agnes’ Krankheit als Vorwand für seine Flucht. Die Stichomythie am Ende unterstreicht sprachlich den Konflikt des Paares.
  6. Gesprächsverhalten: Der Erzähler bleibt passiv, ausweichend. Er reagiert auf die Gesprächsinitiativen Louises sachlich, zurückhaltend. Louises Sprechhaltung wird zunehmend emotionaler.

III.    Erzählstrategien im Erzählerbericht (grau markierte Stellen)

  1. Ich-Erzähler: sachlich, registrierend, emotional unbeteiligt. Er erzählt aus der Außenperspektive, neutrales Erzählverhalten, sachliche Erzählhaltung. Seine Anmerkungen haben die Qualität von Regieanweisungen
  2. Darstellungsweise: Szenische Darstellung
    => Leser: Gefühl des unmittelbaren Erlebens durch das Überwiegen des Dialogs  
    => Der Eindruck vom Erzähler als eines zu keiner Beziehung fähigen Menschen wird gefestigt.  
         Auch zu Louise hält er Distanz.

Textstellen, die auch durch eine Dialoganalyse erschlossen werden können:

S. 84/85: Erste Begegnung mit Louise

S. 89 – 91 Erzähler – Agnes: Agnes gibt ihre Schwangerschaft bekannt

S. 100/101: Erzähler – Louise 

S. 128/129: Erzähler – Agnes: Sex als Geschenk

S. 140/141: Erzähler – Agnes: Beziehung

S. 143 – 145: Erzähler – Louise: Die Silvesterparty

Methodisches
Handlungs- und produktionsorientierte Verfahren

  • Subtext schreiben -› inszenieren mit einem Doppel-Ich
  • Nebentext schreiben -› inszenieren: Szene mit Kommentator
  • Leerstellen füllen
  • gestaltend lesen

 

 

Inhaltsverzeichnis

1. Personenregister

2. Schauplätze

3. Charakterisierung Agnes

4. Zeitungsbericht

5. Dialog

6. Tagebucheintrag

7. Alternatives Ende des Romans

8. Bewertung

1. Personenregister

Agnes - 25 Jahre alt

->siehe Charakteristik - wohnt in Chicago
- Raucherin
- zierlich, schlank, nicht sehr groß
- braune, schulterlange Haare
- blaue Augen
- Blick, als wolle sie Worte übermitteln
- ängstlich, ordentlich
- nur ihre Arbeit zählt (Physikerin)
- kaum soziale Kontakte
- fühlt sich von ihren Eltern nicht geliebt
- schwere Kindheit, die sich im Verhalten spiegelt
- Hobbys: Cello, Gedichte und Malerei
- strenge Ansichten
- unzufrieden mit sich selbst
- hat Angst vor dem Tod, macht sich Gedanken darüber
- war noch nie verliebt, bis der Ich-Erzähler in ihr Leben trat
- wird von ihm schwanger, verliert das Kind
- will eine Geschichte über sich, um Spuren zu hinterlassen nach ihrem Tod

Ich-Erzähler

- bedeutend älter als Agnes (könnte ihr Vater sein)
- aus der Schweiz, wohnhaft in Chicago
- Sachbuchautor
- Raucher
- in Chicago wegen Recherche über Luxuseisenbahnen
- führt ein eintöniges Leben
- verliebt sich in Agnes
- ist abhängig von Agnes
- hat viele gescheiterten Beziehungen hinter sich
- kennt niemanden in Chicago, außer später Agnes
- will kein Kind, dadurch zerstört er Agnes Vertrauen
- wird mit der Zeit besessen von seiner Geschichte über sie
- sieht in der Geschichte eine Chance, etwas sinnvolles zu schreiben
- betrügt Agnes mit Luise, die er aber nicht liebt

Herbert

- Freund von Agnes, lernten sich bei Diplomfeier kennen
- mit ihm hatte sie ihren ersten Kuss
- liebt Agnes noch immer, seine Gefühle werden aber nicht erwidert
- noch immer Briefkontakt mit Agnes
- Sie benutzt ihn, um Ich-Erzähler eifersüchtig zu machen
- will Schauspieler werden, schafft es aber nur zum Sprecher eines Shoppingcenters, wo er auf seinen Durchbruch hofft

Louise

- Französin
- wohnt seit 15 Jahren in Chicago bei ihren Eltern in einem Villenvorort
- mag amerikanische Frauen nicht
- gute Stellung bei Pullmann-Leasings
- dadurch Kontakt zu Ich-Erzähler
- kann ihm wichtige Kontakte für das Buch verschaffen
- lernt ihn an Halloween kennen, sie verstehen sich gut
- hat eine Affäre mit ihm unter der Voraussetzung, dass beide sich nur amüsieren
- sie verliebt sich jedoch am Ende in ihn
- mit ihr betrügt der Ich-Erzähler Agnes in der Silvesternacht

Agnes Eltern

- kein Kontakt mehr, höchstens einmal im Jahr
- Vater ist Pensionär
- Vater machte ihr nur Vorwürfe, liebte sie nicht
- liebte andere Kinder mehr, weinte sogar um das Nachbarskind nach dessen Tod
- Agnes war sicher, dass er um sie nicht geweint hätte
- nannte sie sogar Flittchen
- Mutter unterstützte in trotzdem
- machten Agnes Kindheit schwierig

Louises Eltern

- sehen im Ich-Erzähler den neuen Schwiegersohn
- wollen Agnes unter der Haube sehen
- Mutter findet Amerikaner unseriös und heiratete deshalb einen Franzosen

Agnes Streicherfreundinnen

Verkäufer

- lächelt anzüglich
- macht Gesten, als ob er und der Ich-Erzähler ein Geheimnis hätten
- Agnes hat Angst vor ihm, da er anzügliche Gesten ihr gegenüber macht, nachdem sie bei dem Ich-Erzähler übernachtet hat

Margaret

- Name des Kindes der beiden in der Geschichte
- sie soll über den Verlust des ,realen’ Kindes hinweghelfen
- kaufen ihr allerlei Sachen und behandeln sie wie ein Kind, obwohl sie nur in der Vorstellung existiert

Jennifer

- Name des Nachbarmädchens
- war mit Agnes bei den Pfadfindern
- starb Tod nach einem Unfall
- Agnes Vater mochte sie sehr, weinte um sie
- Agnes konnte sie nicht ausstehen, war eifersüchtig, weil Vater sie mehr liebte
- Agnes war nicht traurig über ihren Tod, nur froh nach Hause zu dürfen

Agnes Professor

- schätzt sie sehr
- hat ein gutes Verhältnis zu ihr
- leiht ihr sogar seine Videokamera, obwohl es sein Lieblingsspielzeug ist
- neben dem Professor ihre einzigen sozialen Kontakte
- treffen sich einmal in der Woche um ein Quartett zu spielen
- rufen nach dem Verlust des Kindes bei dem Ich-Erzähler an, um ihn, ohne das Wissen von Agnes, darüber zu unterrichten
- bewirken so seine Rückkehr zu Agnes

2. Schauplätze

Wohnung des IchErzählers

Die Wohnung des Erzählers ist im Roman nicht wirklich bedeutend. Sie liegt in einem Hochhaus im 27. Stock nahe des Doral Plazas in der Innenstadt von Chicago. Die einzige Person, die er in dem Haus kennt, ist der Verkäufer, der ihn immer anzüglich anlächelt. Es ist ein typisches Hochhaus in einer Großstadt, wo die Anonymität weitgehend gewahrt wird. In seiner Wohnung verbringt er seine erste Nacht mit Agnes, welche später auch bei ihm einzieht. Er hat dort einen Zugang zum Dach, wo er mit Agnes manchmal in die Sterne guckt. Lediglich einmal benutzt er den Aufzug nicht, da sie nachzählen will, ob er wirklich im 27. Stock wohnt. In der Silvesternacht kehrt der Ich-Erzähler betrunken von der Nacht mit Luise zurück und landet im 26. Stock. Dies Aspekte zeigen, dass die Wohnung für den IchErzähler keine besondere Bedeutung hat, was auch verständlich ist hinter dem Hintergrund, dass er dort nur solange ist, wie er an seinem Buch schreiben muss. Als er in der Silvesternacht in seine Wohnung zurückkehrt, ist der PC noch an, doch Agnes ist weg.

Agnes Wohnung

Agnes Wohnung liegt in einer weniger schönen Gegend. Der IchErzähler bezweifelt, dass es ihm dort gefallen würde, doch Agnes fühle sich dort wohl. Die Wohnung ist eher spärlich eingerichtet und es gibt kaum Bücher. An ihrem ersten Abend, wo er sie besucht, richtet sie alles schön her mit Blumen und Kerzen. Dinge, die andere stören würden, wie die Geräusche der Heizung, geben Agnes das Gefühl, nicht alleine zu sein. Nach dem Verlust des Kindes und der Trennung zieht sie sich in ihrer Wohnung zurück, da sie sich, anders als der Ich-Erzähler, in ihrer Wohnung wohlfühlt. Die Wohnung ist im Prinzip der einzige Ort, wo sie keine Angst hat, deshalb dauert es auch lange, bis sie den IchErzähler einlädt, um ihm die Röntgenbilder der Kristallgitter zu zeigen.

Chicago Public Library

Der Ich-Erzähler und Agnes sind beide täglich in der Bibliothek, um für ihre Arbeiten zu recherchieren. Auf der Treppe vor dem Gebäude lernen sie sich bei einer Zigarette auch eines Tages kennen, nachdem sie sich bereits im Lesesaal gegenüber gesessen waren. Agnes sucht Material über die Symmetrie der Symmetriegruppen der Kristallgitter, der Ich-Erzähler über Luxuseisenbahnen.

Hoosier National Forest

Am Columbus Day unternehmen die beiden einen Ausflug in den Hoosier National Forest. Dies ist ein Nationalpark, wo die beiden die Momente des Alleinseins in der Natur genießen und sehr glücklich sind. Agnes sagt, dass sie immer Angst gehabt habe, in der Natur unterzugehen, doch an jenem Ort sei dies nicht der Fall. Sie dreht ein Video über den Ausflug der beiden, was sich der Ich-Erzähler oft anschaut nachdem sie ihn verlassen hatte.

Hier fällt Agnes auch in Ohnmacht, was die ersten Anzeichen ihrer Schwangerschaft sind und übernachten im Zelt, wobei sie der Natur ganz nah sind. Dort finden sie auch eine verlassene Hütte vor und einen Friedhof, und Agnes stellt sich vor, wie es wäre wenn der Winter hier einträfe und sie alleine dort wären ohne Zivilisation. ,,Es heißt, zu erfrieren sei ein schöner Tod” (S. 78), eines der Schlüsselzitate, fällt in diesem Zusammenhang.

Während des Besuchs im Nationalpark sind beide, trotz des Ohnmacht-Anfalls, unbeschreiblich glücklich und können so ihrem Alltag entfliehen.

Wälder von Chicago

Der Wald kommt in dem Roman des Öfteren vor. Hier merkt der Ich-Erzähler das erste Mal, wie abhängig er von Agnes ist und wie tief seine Gefühle für sie sind. Bei den Wanderungen dort können sie Zeit für sich haben und genießen diese auch. Im Gegensatz hierzu stehen die Wälder, durch ihre Größe und ihre gleichmäßige Anordnung, noch für etwas anderes, denn Agnes hat Angst, sich in den Wäldern eines Tages zu verlaufen und nicht mehr gefunden zu werden. Zum Ende der Geschichte von Agnes wird dies allerdings wieder gegensätzlich angeführt, als läge sie dort gerne im Schnee zwischen den Wäldern, um dort zu erfrieren. Im realen Leben Agnes bleibt ihr Ende offen.

Balkon an Halloween

An Halloween besucht der Ich-Erzähler die Feier der AmtrakGesellschaft, da er Halloween nicht ausstehen kann und nicht mit Agnes und ihren Freundinnen verkleidet auf einen Umzug möchte. Dies nimmt ihm Agnes übel, doch er beruhigt sie, da ihm dies Kontakte für sein Sachbuch verschaffen könnte. Auf dem Balkon lernt er die Französin Louise kennen, die bei Pullman tätig ist und über amerikanische Frauen herzieht, doch der Ich-Erzähler nimmt diese wegen Agnes in Schutz. Trotzdem tauscht er dort mit Louise private Nummern aus, da es ein gutes Gespräch war und er sich nebenbei Kontakte für sein Sachbuch erhofft.

Ufer des Lake Michigan

Hier gehen sie öfters spazieren, und während einem der Spaziergänge kam ihnen auch die Idee, die Geschichte über Agnes zu schreiben.

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