Kommunikation Zwischen Mann Und Frau Beispiel Essay

Inhaltsverzeichnis

1 Grundlegendes zur Kommunikation
1.1 Der Sachinhalt
1.2 Selbstoffenbarung
1.3 Beziehung
1.4 Appell
1.5 Empfang mit dem „Sachohr“
1.6 Empfang mit dem „Selbstoffenbarungsohr“
1.7 Empfang mit dem Beziehungsohr
1.8 Empfang mit dem Appellohr

2 Konflikte durch Kommunikationsprobleme in Partnerschaften
2.1 Verbale Kommunikation
2.1.1 Kritik statt Beschwerde
2.1.2 Vorwürfe und Schuldzuweisungen
2.1.3 Verachtung statt Wertschätzung
2.2 Nonverbale Kommunikation
2.2.1 Gestik und Mimik, die zur Aufschaukelung eines Konfliktes beitragen können
2.2.2 Gestik und Mimik, die Wut und Aggression signalisieren
2.2.3 Verweigerung von Kommunikation

3. Lösungsansätze für Kommunikationsprobleme in Partnerschaften
3.1. Die 4 grundsätzlichen Möglichkeiten, langanhaltenden Konflikten zu begegnen, nach Hirschmann: Loyalty, Voice, Neglect, Exit
3.2. Zeitliche und Örtliche Wahl für ein klärendes Gespräch
3.3. Der richtige Gesprächsauftakt
3.4. Der richtige Gesprächsverlauf
3.5. Die wichtigsten Techniken einer guten Gesprächsführung
3.5.1 „Rettungsanker werfen“
3.5.2. Beschwerde statt destruktiver Kritik
3.5.3. Wertschätzung statt Verachtung
3.5.4. Ich statt Du Botschaften
3.5.5. Mißverständnisse sofort aufklären - content validation
3.5.6. Selbstberuhigung bei Überflutung
3.5.7. Kompromisse eingehen
3.5.8. Ergebnis festhalten und eventuelle Konsequenzen deutlich aussprechen

4. Fallbeispiel

„Kommunikationsprobleme zwischen Mann und Frau als Konfliktauslöser in Partnerschaften“

1 Grundlegendes zur Kommunikation

Kommunikation besteht immer aus einer Nachricht, die ein Sender , der etwas mitteilen möchte einem Empfänger mitteilt. Dem Empfänger obliegt es, diese Gebilde zu entschlüsseln. Häufig macht der Empfänger davon Gebrauch dem Sender anzuzeigen, wie die Nachricht angekommen ist. Diese Art der Rückmeldung nennt man auch Feedback.

Die Tatsache, daß eine Nachricht ein ganzes Paket voller Botschaften enthält, macht den Kommunikationsprozeß spannend, kompliziert, störanfällig, aufregend und spannend zugleich. Um die Vielfalt der Botschaften, die in einer Nachricht stecken zu ordnen , unterscheidet Friedemann von Schulz von Thun vier Seiten einer Nachricht.

(Dieses Modell ist stark an die Arbeiten von Watzlawik angelehnt, vor allem erinnert es stark an das 2. Axiom: „Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und Beziehungsaspekt“)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Folgendes Beispiel dient der Unterscheidung der einzelnen Seiten der Nachricht. Mann und Frau sitzen beide im Auto: Mann (Sender der Nachricht) zu Frau (Empfänger): „Du da vorne ist grün!“

1.1 Der Sachinhalt

Zunächst enthält die Nachricht eine Information über die Sache. Damit ist der auf ein Sachziel bezogene Austausch von Informationen und Argumenten gemeint, das Abwägen von Entscheiden, frei von menschlichen Gefühlen und Bestrebungen. Wenn es also „nur um die Sache“ geht ist die Sachseite der Nachricht gemeint. Probleme, die sich daraus ergeben können sind zum einen, daß Gespräche und Auseinandersetzungen selten nur „sachlich“ verlaufen (es fällt den Kommunikationspartnern schwer, ganz bei der Sache zu bleiben). Zum anderen ergeben sich Verständigungsschwierigkeiten oft schon daraus, daß übermittelte Sachinformationen oft schwerverständlich sind und somit beim Empfänger Unsicherheit auslösen.

Im Beispiel informiert der Mann die Frau über den Zustand der Ampel – sie ist grün.

1.2 Selbstoffenbarung

In jeder Nachricht stecken nicht nur Informationen über die mitgeteilten Sachinhalte, sondern auch Informationen über die Person des Senders. Die Selbstoffenbarung steckt in jeder Nachricht, sei es gewollt als Selbstdarstellung, sei es unfreiwillig als Selbstenthüllung. Die Selbstoffenbarung kann mehr oder weniger bewußt, mehr oder weniger reichhaltig und tiefgreifend sein. Vor allem diese Seite der Nachricht ist psychologisch hochbrisant. Mit dieser Seite verbinden sich viele Probleme der zwischenmenschlichen Kommunikation. Der Sender muß sich dabei bemühen, sich von der besten Seite zu zeigen, allerlei Techniken der Selbsterhöhung und Selbstverbergung werden dabei angewendet. Dies kostet allerdings sowohl dem Sender wie auch den Empfänger sehr viel Energie.

Besonders spürbar wird diese Angst in Situationen, die der Selbstoffenbarung willen stattfinden. Paradebeispiel dafür ist die Prüfung. Der Sender muß dabei seine Kenntnisse, seine Fähigkeiten „offenbaren“. Die Angst vor dem Versagen spielt dabei eine wesentliche Rolle.

Aus dem Beispiel kann man entnehmen, daß der Sender offenbar deutschsprachig und vermutlich fahrtüchtig ist, überhaupt, daß er wach und innerlich dabei ist. Man könnte daraus aber auch ableiten, daß er es eilig hat und nicht zu spät kommen möchte.

1.3 Beziehung

Aus der Nachricht geht ferner hervor, wie der Sender zum Empfänger steht, was er von ihm hält. Oft zeigt sich dies in der gewählten Formulierung, im Tonfall und anderen nichtsprachlichen Begleitsignalen. Die Bedeutung dieser Seite ist vor allem in der zwischenmenschlichen Kommunikation von großer Bedeutung. Eine Nachricht senden heißt auch immer eine bestimmte Art von Beziehung aufzubauen. Diesen Teil könnte man unter Umständen auch der Selbstoffenbarung zurechnen. Zum einen geht hervor wie der Sender zum Empfänger steht. Es geht jedoch auch hervor, wie der Sender die Beziehung zwischen sich und dem Empfänger deutet.

Während also die Selbstoffenbarungsseite ausschließlich Ich-Botschaften enthält, enthält die Beziehungsseite andererseits auch Wir-Botschaften.

Im Beispiel könnte der Mann mit seiner Nachricht andeuten, daß er seiner Frau nicht recht zutraut, den Wagen optimal zu fahren.

1.4 Appell

Diese Seite der Nachricht dient vor allem dazu auf den Empfänger Einfluß zu nehmen. Der Versuch Einfluß zu nehmen, kann mehr oder weniger versteckt sein – im letzten Fall spricht man von Manipulation. Ein manipulierender Sender scheut sich auch nicht davor, die anderen drei Seiten der Nachricht in den Dienst der Appellwirkung zu stellen. Die Berichterstattung auf der Sachseite ist dann eindeutig und tendenziös, die Selbstdarstellung ist darauf ausgerichtet, beim Empfänger bestimmte Wirkung zu erzielen, und auch die Botschaften auf der Beziehungsseite mögen von den Zielen bestimmt sein, den anderen bei Laune zu halten.

Im Beispiel lautet der Appell vielleicht: „Gib ein bißchen Gas, dann schaffen wir es noch bei grün!“

Im Kommunikationsprozeß kommt aber nicht nur dem Sender eine Bedeutung zu, sondern auch dem Empfänger, wie er die Nachricht deutet bzw. darauf eingeht.

1.5 Empfang mit dem „Sachohr“

Der Empfänger kann sich auf die Sachseite der Nachricht stürzen und bei Konflikten die Sachauseinandersetzung suchen. Wenn das Problem allerdings auf der Konfliktseite liegt, können sich daraus Probleme ergeben.

Im Beispiel könnte die Frau entgegnen:“Ja, hier ist eine grüne Welle“

1.6 Empfang mit dem „Selbstoffenbarungsohr“

Der Empfänger nimmt die Nachricht unter dem Aspekt auf „Was sagt sie mir über dich?“ Vor allem in Konflikten erweist sich diese Empfangsgewohnheit als angebracht. Es ermöglicht dem Empfänger dem Sender bei möglichen Wutausbrüchen seine Gefühle zuzugestehen. Daraus resultiert ein ruhigerer Ausgang des Konflikt.

Im Beispiel könnte die Frau entgegnen:“ Hast du es eilig?“

1.7 Empfang mit dem Beziehungsohr

Empfänger mit einem „gutausgebildeten Beziehungsohr“ legen in allem eine Stellungnahme zu ihrer Person hinein. Sie beziehen alles auf sich, nehmen alles persönlich, fühlen sich leicht angegriffen und beleidigt. Wenn jemand wütend ist, fühlen sie sich leicht beschuldigt, wenn jemand lacht fühlen sie sich kritisch ausgemustert.

Im Beispiel könnte die Reaktion der Frau lauten:“ Fährst du oder ich?“

1.8 Empfang mit dem Appellohr

Empfänger die auf diese Seite der Nachricht reagieren sind zumeist vom Wunsch beseelt es allen recht machen zu wollen. . Sie wollen den Wünschen der Mitmenschen entsprechen und vergessen auf die eigene Persönlichkeit.

Im Beispiel könnte die Reaktion darauf mit einem heftigen Tritt aufs Gaspedal reagieren.

Im folgenden werden wir zunächst verbale und nonverbale Kommunikationsauslöser in Partnerschaften näher betrachten und im Anschluß daran verschiedene kommunikative Lösungsansätze für intime Konfliktsituationen vorstellen.

Die von uns behandelten Bereiche werden mit zahlreichen Beispielen veranschaulicht, wobei wir stets ein von uns gewähltes Paar zitieren, das in einem gemeinsamen Haushalt lebt. SIE besucht einen Fortbildungskurs und ist Hausfrau, ER ist voll berufstätig mit mittlerem Einkommen. Die beiden haben eine kleine Tochter.

Den Abschluß unserer Arbeit bildet ein größeres Fallbeispiel, an dem wir nochmals wichtige von uns behandelte Problembereiche, aber auch Lösungen aufzeigen wollen.

2 Konflikte durch Kommunikationsprobleme in Partnerschaften

2.1 Verbale Kommunikation

2.1.1 Kritik statt Beschwerde

Wenn man zusammenlebt, wird man sich immer über etwas beklagen. Doch es gibt einen entscheidenden Unterschied zwischen einer Beschwerde und einer Kritik. Eine Beschwerde zielt auf einen bestimmten Vorfall ab, bei dem der Partner etwas falsch gemacht hat. Kritik hingegen ist weitreichender, da kommen noch ein paar negative Bemerkungen über den Charakter oder die Persönlichkeit des Partners hinzu.

Unser Paar hat sich ausgemacht, daß Er einmal in der Woche den Küchenfußboden aufwischt. Er hat das natürlich vergessen und Sie weist ihn jetzt darauf hin, einmal mittels einer Beschwerde und einmal mittels einer Kritik:

„Ich bin wirklich sauer, daß du gestern abend den Küchenfußboden nicht mehr gewischt hast. Wir hatten beschlossen, daß wir uns abwechseln würden!“

ist eine Beschwerde.

„Warum bist du so vergeßlich? Ich hasse es, immer den Küchenfußboden wischen zu müssen, wenn doch eigentlich du dran bist. Das ist dir einfach egal!“

ist Kritik.

Eine Beschwerde konzentriert sich also auf ein bestimmtes Verhalten, während Kritik die Sache größer erscheinen läßt, da hier Schuldzuweisungen und die generelle Verurteilung eines Charakters eine Rolle spielen. Man kann jede Beschwerde in eine Kritik verwandeln, indem man einfach einen Satz hinzufügt: „Was ist das bloß mit dir?“

Was sind nun die Folgen einer Beschwerde oder einer Kritik? Er wird nun antworten und sich rechtfertigen für sein Verhalten. Die Antwort auf die Beschwerde, die sich nur auf das Vergessen des Küchenbodenwischens konzentriert, könnte lauten:

„Ich hatte gestern viel zu tun und hab es ganz einfach vergessen. Ich bin todmüde von der Arbeit heimgekommen.“

Während Er sich aber bei einer Kritik persönlich angegriffen fühlt, da es ihm selbstverständlich nicht egal ist, dass er das vergessen hat, könnte er antworten:

„Mir ist es nicht egal und außerdem bin ich nicht vergeßlich! Ich hab viel zu tun gehabt und war todmüde, im Gegensatz zu dir tue ich was den ganzen Tag!“

Er rechtfertigt sich gegen die Angriffe auf seinen Charakter und entgegnet sofort mit einem Vorwurf und der Konflikt steigert sich weiter, wenn Er ihr Verhalten nun kritisiert und Sie sich zu rechtfertigen beginnt. Das heißt, daß Kritik verbunden mit Schuldzuweisungen und einer generellen Verurteilung des Charakters des anderen oft zu einer Aufschaukelung des Konfliktes führt.

Hier sind noch einige Beispiele, die den Unterschied zwischen Beschwerde und Kritik veranschaulichen:

Beschwerde: „Das Auto ist schmutzig. Warum hast du es nicht wie versprochen gewaschen?“

Kritik: „Warum muß man bei dir immer alles tausendmal wiederholen? Denk doch mal mit und wasch endlich das Auto, wie ich es dir gestern gesagt habe, aber du hast es wieder nicht gemacht.“

Beschwerde: „Du hättest mir eher sagen sollen, daß du zu müde bist um mit mir noch spazieren zu gehen. Ich hab mich so gefreut und bin jetzt ziemlich enttäuscht.“

Kritik: „Warum denkst du nur an dich selber? Du hättest mich von der Arbeit anrufen und mir sagen sollen, daß du heute nicht mehr spazieren gehen willst. Es war gemein von dir zuerst zu sagen: ‚natürlich gehen wir‘ und dann stellt sich heraus, daß du zu müde bist und lieber fernsiehst.“

Beschwerde: „Du hättest mich fragen sollen, ehe du deine Freunde einlädst. Ich wollt den Abend mit dir allein verbringen.“

Kritik: „Warum sind dir deine Freunde immer wichtiger als ich? Ich stehe auf deiner Liste ganz hinten. Wir wollten heute abend doch allein sein.“

2.1.2 Vorwürfe und Schuldzuweisungen

Unser Paar geht gewöhnlich am Wochenende mit Freunden und Bekannten von ihr aus. Man ißt und trinkt und unterhält sich bevorzugt über Erlebnisse und Begebenheiten im engeren und weiteren Bekanntenkreis. Während Sie dabei rege Beteiligung zeigt, nimmt Er eher sporadisch an dieser Art von Konversation teil. Meist drängt er rasch zum Aufbruch, so daß beide als erste die muntere Runde verlassen. Als erneut eine solche Situation auftritt, spricht Sie ihn auf dem Nachhauseweg an:

SIE: „Wie immer wenn’s am schönsten ist, möchtest du schon wieder gehen. So früh kann man doch gar nicht müde sein. Sieglinde hat mich sogar neulich darauf angesprochen, ob bei uns irgendetwas nicht in Ordnung sei...

ER: „Jetzt hör mir bloß auf mit deiner Sieglinde. Den ganzen Abend hab ich mir das langweilige Lifestyle-Geschwätz deiner sogenannten besten Freundin anhören müssen. Du kannst froh sein, daß ich überhaupt mitgegangen bin. Mir geht dieser Wochenendtratsch sowieso auf die Nerven.“

SIE: „Ach ja? Meinst du, ich finde es interessant, wenn du mit Herbert über die Vorzüge deines neuen Autos palaverst. Das nenne ich Lifestyle-Geschwätz, wir unterhalten uns wenigstens noch über Menschen, während du dir immer nur ein Pils nach dem anderen reinkippst und zur guten Laune immer weniger beiträgst.“

ER: „Das hält man ja wohl anders gar nicht aus.“

SIE: „Wie meinst du das? Meinst du vielleicht, du bist etwas besseres, wenn du den biederen Stubenhocker mimst. Wegen deinem sonderbaren Verhalten in Gesellschaft werden wir bald überhaupt keine Freunde mehr haben.“

ER: „Und wegen dir und deinem ewig gleichen Samstagabendtratsch verpennen wir jeden Sonntag. Man kommt überhaupt nicht mehr dazu, etwas Sinnvolles zu unternehmen. Ich hab’s einfach satt. Nächstes mal kannst du allein hingehen.“

SIE: „Das werd ich auch. Vielleicht ist es sogar besser so. Ich kümmere mich eh’ zu viel um dich. Bleib ruhig zu hause sitzen. Wirst schon sehen, was du davon hast.“

ER: „Ich kann mich zumindest noch mit mir selber beschäftigen im Gegensatz zu dir. Du brauchst doch immer dein Publikum.“

SIE: „Paß bloß auf, daß ich dich irgendwann nicht mehr brauche. Ich finde es unmöglich, wie du dich mir gegenüber benimmst.“

ER: „Das beruht ganz auf Gegenseitigkeit mein Schatz.“

[...]

Gibt es eine „typisch männliche“ und eine „typisch weibliche“ Kommunikation?

„Männer sind vom Mars, Frauen von der Venus“ – So lautet der populäre Titel des Bestsellers von John Gray. Ob Frauen und Männer wirklich in 2 unterschiedlichen Welten leben? Der Alltag lehrt uns zumindest, dass sie oft unterschiedliche Stile der Kommunikation bevorzugen, andere „Kommunikationsmuster“ haben. Das führt oft zu Missverständnissen.

„Typisch Mann“ und „typisch Frau“: Kennen Sie Situationen wie diese?

1. Beispiel aus der Redaktion des großen Knigge: Unter Kollegen

Sieglinde Berger möchte gemeinsam mit ihrem Kollegen Franz Drews ein Fortbildungsseminar besuchen. Mit den Worten „Ich hole dich dann morgen früh um 8:00 Uhr bei dir zuhause ab“ und dem guten Gefühl, ein wahrer Gentleman zu sein, verabschiedet sich Herr Drews von seiner überrumpelten Kollegin.

Diese denkt verärgert: „Typisch Mann! Erkundigt sich weder, ob mir die Uhrzeit passt, noch ob ich nicht lieber selbst fahren möchte. Ganz abgesehen davon habe ich mir eigentlich geschworen, mich nie wieder in sein Auto zu setzen – er hat einen unmöglichen Fahrstil!“

 

2. Beispiel aus der Redaktion des großen Knigge: Im Privatleben

Frau und Herr Goldmann wollen einen Termin für eine Grill-Party ausmachen. Frau Goldmann favorisiert einen bestimmten Samstagabend. Doch genau an diesem Wochenende beginnt die Jagdsaison.

Sie geht davon aus, dass ihr Wunschtermin ihrem Mann – einem passionierten Jäger – nicht so gut passt. Dennoch: Ihr Mann sagt sofort zu. Frau Goldmann will ihm entgegenkommen und hakt nach: „Warum bevorzugst du denn nicht den Sonntagabend? Du akzeptierst den Samstag, obwohl die Jagdsaison beginnt?“ Ihr Mann reagiert verärgert, was wiederum sie verletzt.

Herr Goldmann hat das Gefühl, Rechenschaft über seine Zeiteinteilung abgeben zu müssen – für ihn ist klar, dass jeder sich für seine eigenen Interessen einsetzt, deshalb empfindet er es als aufdringlich, wenn seine Frau in seinen Motiven herumstochert. Ihr Versuch, einen möglichen Interessenkonflikt zu vermeiden, ist genau das, was den Konflikt auslöst.

 

3. Beispiel aus der Redaktion des großen Knigge: Mitarbeiter und Vorgesetzte

Joachim Meyer ist verärgert: „Gestern sagte die Chefin: ‚Ihr Projektbericht gefällt mir; ich wusste doch, dass Sie der richtige Mann für diese Aufgabe sind! Ich habe hier lediglich ein paar kleine Änderungsvorschläge. Ob Sie da vielleicht noch einmal draufschauen könnten?‘

Heute tut sie plötzlich erstaunt: ‚Sie haben meine Korrekturen so gut wir gar nicht berücksichtigt. So kann ich den Bericht aber auf gar keinen Fall weitergeben …!‘“

Er denkt: „Warum sagt sie mir nicht klipp und klar, was sie will, statt mir Honig um den Bart zu schmieren?“ Sie denkt: „Warum nimmt er denn meine Kritik nicht ernst – und korrigiert den Bericht nur oberflächlich?“ Die Chefin will rücksichtsvoll sein, verzichtet dabei aber auf die notwendige Klarheit. Der Mitarbeiter hingegen nimmt nur das Lob wahr; die diplomatisch verpackte Kritik überhört er.

Angeboren oder erlernt? Wo die Wurzeln des Übels liegen

Vorab eine Warnung: Weiterlesen könnte Ihre bisherige Weltsicht verrücken – jedenfalls dann, wenn Sie Bestseller-Autoren wie Barbara und Allan Pease oder Eva Herman bisher etwas abgewinnen konnten.

Das Ehepaar Pease schreibt Bücher wie „Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken“ und behauptet: Frauen und Männer sind komplett unterschiedlich. Männer lernen schlecht Sprachen. Frauen können nicht räumlich denken. Männer arbeiten gern hart. Frauen gehen lieber Schuhe kaufen. Und so weiter. Das alles sei in den Gehirnen von Geburt an felsenfest verankert.

Eva Herman verdichtet solche Thesen zum Eva-Prinzip: Die Emanzipation sei ein Irrtum gewesen, schreibt sie in ihrem umstrittenen Buch: Frauen sollten die „schöpfungsgewollte Aufteilung“ der Geschlechter respektieren und sich ihrer biologischen Bestimmung entsprechend verhalten.

Und die amerikanische Psychiaterin Louann Brizendine landete mit ihrem Buch „The female Brain“ (Das weibliche Gehirn) vor Kurzem einen Bestseller in den USA. Ihre Botschaft lautet ebenfalls: Männer und Frauen sind zum Anderssein verdammt, weil ihre Gehirne so unterschiedlich funktionieren.

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Oft sind es nur Vorurteile

 

Das Problem: Die Forschungslage ist mitnichten so eindeutig, wie diese Autoren behaupten. Nur wenige Unterschiede zwischen den Geschlechtern sind naturgegeben und unveränderlich. Innerhalb der Geschlechter gibt es weit größere Unterschiede als zwischen ihnen. Anders formuliert: Die Gemeinsamkeiten von Frauen und Männern sind viel größer als ihre Differenzen!

Nur wenige Unterschiede

Die amerikanische Psychologin Janet S. Hyde, Professorin an der University of Wisconsin, hat Tausende von Daten aus Studien über Geschlechterunterschiede verglichen. Ihr Ergebnis: Frauen werfen nicht so gut. Sie sind weniger aufgeschlossen für schnelle Sexualkontakte und neigen nicht so stark zu körperlicher Aggression. Andere Unterschiede fallen, statistisch gesehen, kaum ins Gewicht. Dennoch: Kommunizieren Frauen und Männer nicht oft aneinander vorbei?

Mehr angelernt als angeboren

Das ist nicht ausgeschlossen, dennoch ist die Schuld nicht nur in den Genen oder in den Hirnstrukturen zu suchen. Studien zeigen: Genau diese Vorurteile über die angeblich angeborenen Unterschiede von Frau und Mann führen dazu, dass viele Frauen sich nicht an Matheaufgaben herantrauen, öfter Germanistik statt Physik studieren und „weich“ statt „hart“ kommunizieren.

Das Gehirn von Babys ist nicht fertig, wenn sie auf die Welt kommen. 90 % der Verknüpfungen zwischen den Nervenzellen entwickeln sich in den ersten Lebensjahren. Bis nach der Pubertät strukturieren sie sich immer wieder grundlegend um. Erfahrungen und Erlerntes spielen dabei eine wichtige Rolle.

So entsteht ein Großteil der Missverständnisse bei der Kommunikation, weil Mädchen und Jungen vom ersten Lebenstag an immer noch unterschiedlich geprägt werden: Eltern und Großeltern, Freunde und Lehrer sowie die Medien machen ihnen – oft unterschwellig – klar, wie sich ein „richtiges“ Mädchen oder ein „richtiger“ Junge zu verhalten hat.

Zwar stoßen Erziehungsmaßstäbe wie „Jungen weinen nicht“ oder „Mädchen tragen keine Hosen“ heutzutage auf Ablehnung. Doch vermitteln Eltern und Umwelt weiterhin unbewusst tradierte Geschlechterrollen, wie z. B. Baby-X-Versuche zeigen.

Unbewusst vermittelte Geschlechterrollen

Konfrontiert man Erwachsene mit einem neutral gekleideten Baby, behandeln sie das Kind anders, je nachdem, ob ihnen gesagt wurde, dass es sich um einen Jungen oder ein Mädchen handelt. Bei „männlichen“ Kindern wählen sie eher ein Auto als Spielzeug, bei „weiblichen“ eine Puppe. Angebliche Jungen animieren die Versuchspersonen zu körperlicher Aktivität, mit mutmaßlichen Mädchen gehen sie fürsorglicher um. Erschrickt das Kind, interpretieren sie das bei Mädchen als Angst, bei Jungen als Ärger.

Überlegen Sie selbst: Würden Sie einem Jungen eine Barbiepuppe schenken?

Wie sieht die Welt der Männer aus?

Sehr klischeehaft beschrieben sieht sie so aus: Schon von früh an wachsen Jungen in einer Welt auf, in der es um Hierarchie und Macht geht. Fast alle Jungenspiele drehen sich ums Gewinnen. Spiele, bei denen man nicht gewinnen kann, finden Jungen schnell langweilig. Daraus folgt, dass Jungen wie Männer zu vermeiden suchen, zu verlieren oder Schwächen zu zeigen.

Für die Kommunikation hat das deutliche Folgen:

  • Viele Männer verspüren stets das Gefühl, sich beweisen zu müssen. Damit verbunden sind Fragen wie: „Habe ich Einfluss? Kann ich (mit)bestimmen?“

  • Männer versuchen deshalb öfter, sich in Gesprächen zu profilieren und ihre Machtposition zu festigen oder auszubauen.
  • Männer sprechen eher sach- und aufgabenbezogen. In ihren Gesprächen geht es primär um Informationen – über Gefühle reden sie nicht so gern.

 

Wie sieht die Welt der Frauen aus?

Ebenfalls in Stereotypen formuliert: Im Gegensatz zu Jungen dreht sich bei Mädchen alles darum, dazuzugehören und nicht ausgeschlossen zu sein. Das führt dazu, dass Mädchen viele Spiele haben, bei denen das Dabei-Sein und das Mitmachen wichtiger ist als das Gewinnen.

Für ihre Kommunikation folgt daraus:

  • Frauen drücken sich eher auf einer persönlichen Ebene aus. Um Nähe herzustellen, lassen sie im Verlauf von Gesprächen oft eigene Erlebnisse und Erfahrungen einfließen.


  • Frauen fühlen sich wohl, wenn die Beziehung stimmt. Sie sind mehr an indirekten Botschaften interessiert als Männer – weil die indirekten Botschaften etwas über die Beziehung zwischen „Sender“ und „Empfänger“ aussagen.


  • Um die Harmonie zu erhalten, umgehen Frauen gern Konflikte. Ein Nein fällt ihnen schwer.


  • Viele Frauen neigen zu einer Gesprächsführungstechnik, bei der die Gleichheit bewahrt wird. Die Sprecherin möchte ihr Ziel erreichen, ohne ihre Macht zu demonstrieren.

Wenn Männer und Frauen zusammentreffen, entstehen so leicht Missverständnisse: zum einen, weil uns der eigene Gesprächsstil in der Regel nicht bewusst ist. Wir bemerken nur, wenn der andere nicht nach unseren unsichtbaren Regeln verfährt. Zum anderen, weil Sender und Empfänger unterschiedlicher Meinung sind, was die indirekt geäußerten Botschaften betrifft.

 

 

Beispiel aus der Redaktion des großen Knigge: Ein Mann sagt zu seiner Frau: „Wir haben kein Brot mehr.“ Die Botschaft scheint zunächst klar: Es ist kein Brot mehr da. So einfach ist Kommunikation aber selten, denn der Satz kann indirekte Botschaften enthalten.

 

Es könnte sich bei den Worten

  •  um eine indirekte Aufforderung handeln, einkaufen zu gehen;

  •  um eine Anschuldigung à la „Du hast nicht eingekauft“ oder „Du hast das Brot vergessen“;

  •  oder um den indirekten Auftakt zu dem Vorschlag, essen zu gehen.

In jedem Fall kann sogar diese schlichte Aussage zu einem Streit führen, wenn nämlich die Empfängerin sich dadurch kritisiert fühlt.

Sie könnte wütend antworten: „Dann geh doch nächstes Mal selbst einkaufen!“ Oder ihrerseits anklagen: „Warum hast du das nicht eher gesagt, jetzt sind die Geschäfte zu!“

In diesem Fall würde der Sender sich wahrscheinlich auf den Wortlaut seiner Aussage berufen: „Ich habe doch nur gesagt, dass wir kein Brot mehr haben!“

 

 

Das Beispiel zeigt, dass Frauen bei Gesprächen unbewusst meist auf die Frage achten: „Was sagt das über meine Beziehung (zum Sprecher oder zu anderen) aus?“, während Männern die Frage vorschwebt: „Was sagt das über meinen Status aus?“

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So verbessern Sie Ihre Kommunikation mit dem anderen Geschlecht

1. Regel: Seien Sie wachsam

Sprache ist etwas Lebendiges, das von vielen (unsichtbaren) Regeln bestimmt wird. Wichtig ist, dass Sie eine bestimmte Wachsamkeit diesen unsichtbaren Regeln gegenüber pflegen. Berücksichtigen Sie bei Ihren Gesprächspartnern die Lern- und Lebenserfahrungen infolge der Geschlechtszugehörigkeit. Mit feinen Ohren für „Frauensprache“ bzw. „Männersprache“ können Sie viele Missverständnisse von vornherein vermeiden.

2. Regel: Lernen Sie eine neue „Fremdsprache“

Sie haben ein „fremdes“ Kommunikationsmuster beim anderen Geschlecht entdeckt? Sprechen Sie – soweit möglich, z. B. mit Freunden oder dem (Ehe-)Partner – über das Sprechen. So können Sie einiges über die Sprache des anderen lernen – und gemeinsam Brücken zu einer besseren Verständigung bauen.

3. Regel: Besonders für Ihr Berufsleben gilt: Unterscheiden Sie zwischen Ihrer Person und Ihrer Rolle

Menschen im Arbeitsleben übernehmen bestimmte Positionen und Funktionen – und damit Rollen. Sie sind Führungskraft, Buchhalterin, Ingenieurin, Friseur, Monteur – um nur einige zu nennen.

Die Anforderungen an diese Rollen werden von außen gestellt. Ob Sie Verkäuferin oder Verkäufer, Rechtsanwältin oder Rechtsanwalt sind: Ihre Kunden, Vorgesetzten und Kollegen erwarten von Ihnen die gleiche Professionalität und kein geschlechtsspezifisches Gebaren.

Für Frauen und Männer gilt deshalb: Ihre Kommunikation im Beruf muss sich an den Erwartungen der Rolle orientieren – und nicht an erworbenen männlichen oder weiblichen Verhaltensmustern.

Von der Theorie zur Praxis: So lösen Sie schwierige Gesprächssituationen

Zurück zu unseren Beispielen vom Anfang: Wie bewältigen Sie die darin beschriebenen „geschlechtskritischen“ Kommunikationssituationen?

Zum großen Knigge-Beispiel 1: Unter Kollegen

Sieglinde Berger ärgert sich, dass ihr Kollege Franz Drews die gemeinsame Anreise zum Fortbildungsseminar einfach bestimmt. „Typisch Mann!“, denkt sie – und hat damit immerhin den ersten Schritt getan: Sie nimmt wahr, dass Männer ihre Vorstellungen in der Regel klar und deutlich formulieren. Damit geben sie zwangsläufig Fakten vor.

Die pragmatische Meinung der Männer: Wenn es dem anderen nicht passt, kann er ja widersprechen und Alternativen vorbringen. Frauen steuern ihr Ziel nicht so direkt an, klopfen mit Fragen erst Meinungsterrain ab – manchmal auch dann, wenn  sie schon genau wissen, was sie wollen. Ihr Anliegen: Die anderen nicht überrumpeln, sondern erst einmal ihre Meinung erfahren.

 

Wie können Sie die Kommunikation verbessern?

Für Frauen: Sagen Sie Nein, wenn Ihnen ein Vorschlag nicht gefällt, und bringen Sie einen Gegenvorschlag: „Eigentlich könnte ich doch einmal zur Abwechslung den Chauffeur spielen. Erstens ist es viel näher, wenn ich dich abhole, als umgekehrt, und zweitens kann ich dir dann endlich einmal mein neues Auto zeigen.“

(Der Vorschlag ist schlecht abzulehnen – und sie hat den Kollegen nicht wegen seines Fahrstils angegriffen. Er kann also sein Gesicht/seinen Status wahren.)

Für Männer: Formulieren Sie Vorschläge als Vorschläge – und nicht als Anweisungen: „Ich könnte dich morgen zum Seminar mitnehmen und so gegen 8:00 Uhr abholen. Wäre das okay für dich?“

Der große Knigge-Extra-Tipp: Beachten Sie die Rolle, in der Sie sind

Die Beispielsituation ist klar im beruflichen Umfeld angesiedelt. Auch wenn Frau Bergers Kommentar „typisch Mann“ einen gewissen Grad an Erkenntnis symbolisiert – solche Äußerungen haben im beruflichen Umfeld nichts zu suchen!

Beachten Sie bei der beruflichen Kommunikation stets die Situation und die Rolle, in der Sie sind. Denn: Wäre Herr Drews nicht der Kollege, sondern der Vorgesetzte von Frau Berger, könnte seine Anweisung „Ich hole Sie morgen um acht Uhr ab“ durchaus angemessen sein – im umgekehrten Fall (Herr Drews ist ein Mitarbeiter von Frau Berger) hingegen ist sie völlig unangemessen.

 

Zum großen Knigge-Beispiel 2: Im Privatleben

Das Ehepaar Goldmann sucht nach einem passenden Termin für eine Grill-Party. Obwohl die Sachlage klar ist (beide können den Samstagabend einrichten), kommt es zum Konflikt: Frau Goldmann hinterfragt, warum ihr Mann zusagt – da er ihrer Meinung nach an diesem Abend lieber auf die Jagd gehen würde.

Eine typische Situation! Sie will die Bedürfnisse Ihres Partners erspüren, berücksichtigen und über Gefühle sprechen. Der lösungsorientierte Mann hat beschlossen, auf den Jagdabend zugunsten des Grillens zu verzichten – weitere Diskussion unnötig! (Die Qualität der Beziehung steht damit für ihn überhaupt nicht infrage.)

Das Problem: Beide Geschlechter sind sich dieses Unterschieds nicht bewusst. Jeder erwartet vom anderen, dass er genauso denkt und fühlt, wie Mann/Frau selbst.

Wie können Sie die Kommunikation verbessern?

Insbesondere Paaren bleibt hier nur ein Weg: über die beidseitigen Wahrnehmungen zu sprechen. Statt Zurückziehens, Schmollens oder gar Streitens hilft der Wechsel auf die Ebene der Metakommunikation: Jeder erläutert – bitte nur in Ich-Botschaften! –, warum er/sie sagt, was er/sie sagt: Was geht in mir vor? Welche Mechanismen laufen ab? Was stört mich an der Reaktion des anderen?

Für Frauen und Männer:

  • Hier geht es auch um einen Austausch über Gefühle – und das bedeutet insbesondere für den männlichen Gesprächsteilnehmer Stress. Nützlich ist deshalb zu Beginn die Frage: „Was ist geschehen?“ Sie hilft, Objektivität zu gewinnen und die eigene Mitte wiederzufinden. Stellen Sie erst im zweiten Schritt die Frage nach dem Warum.
  • Natürlich können Sie Ihren jeweiligen Gesprächsstil nicht komplett ändern. Ein Verhalten, das Sie schon in frühester Kindheit erlernt haben, lässt sich nicht vollständig revidieren. Aber: Das Verstehen der unterschiedlichen Kommunikationsformen verbessert Ihre Beziehung entscheidend! Wenn Sie sich erst einmal bewusst geworden sind, dass Ihr Partner/Ihre Partnerin einen anderen Gesprächsstil pflegt, sind Sie eher bereit, die daraus resultierenden Probleme zu akzeptieren – ohne gleich die gesamte Partnerschaft infrage zu stellen.
  • Verlieren Sie nicht den Humor. Schmunzeln Sie über sich selbst und Ihre typischen männlichen oder weiblichen Strategien.

 

Zum großen Knigge-Beispiel 3: Mitarbeiter und Vorgesetzte

Um anderen nicht auf die Füße zu treten oder sich über sie zu erheben, drücken sich Frauen oft vorsichtig aus. Das ist auch in unserem dritten Beispiel der Fall: Die Chefin kritisiert ihren Mitarbeiter indirekt – doch der hört nur das Lob und reagiert nicht auf die Kritik.

Oft formulieren Frauen ihre Kritik auch in Form einer Frage: „Hatten wir uns nicht darauf geeinigt, dass Sie den Bericht überarbeiten?“ Was zum einen von Männern meist als Informationsfrage verstanden wird, die mit Ja oder Nein zu beantworten ist. Zum anderen fühlen sie sich durch so eine Frage dazu verführt, zwecks Selbstschutz mit Nein zu antworten.

Wie können Sie die Kommunikation verbessern?

Für Frauen:

  • Verzichten Sie auf Formulierungen, die Ihre Aussagen abschwächen. Tabu in diesem Zusammenhang sind Wörter wie „nur“, „eigentlich“, „vielleicht“, „eventuell“ oder Formulierungen wie „Ich meine ja nur …“.

  • Eine vorsichtige Sprechweise zeigt sich auch nonverbal: etwa in einer leisen Stimme, einer unsicheren Gestik, einem entschuldigenden Lächeln. Achten Sie deshalb auf Ihre Körpersprache: Mit festem Blickkontakt, aufrechter Haltung, sicherer Gestik und Stimme können Sie das, was Sie sagen wollen, unterstreichen.

  • Äußern Sie Ihre Kritik unmissverständlich. Halten Sie sich dabei an die Erfolgsformel der „3 W“: Wahrnehmung, Wirkung und Wunsch. Natürlich können Sie Ihre Kritik mit einem Lob verknüpfen, das Sie als positive Einstimmung verwenden. Die Chefin im Beispiel hat also den Einstieg ganz richtig gemacht: „Herr Meyer, Ihr Projektbericht gefällt mir!“ Danach hätte sie aber konkreter werden sollen – mit den „3 W“:

  • Beschreiben Sie zunächst absolut wertfrei nur das, was auch ein neutraler Beobachter hätte wahrnehmen können: „Ich habe noch einige kleine Änderungswünsche, z. B. in den Kapiteln a und c.“

  • Beschreiben Sie die Wirkung: „Die Änderungen beziehen sich insbesondere auf den Informationsfluss mit den Nachbarabteilungen, die in diesem Punkt immer sehr empfindlich reagieren. Diese Empfindlichkeiten möchte ich von vornherein vermeiden.“

  • Jetzt erst sagen Sie, was Sie sich wünschen – so konkret wie möglich: „Bitte arbeiten Sie die Korrekturen bis Donnerstag ein, damit wir den Bericht zum Wochenende weitergeben können.“

Für Männer:

  • Sie können solche Missverständnisse vermeiden, wenn Sie bei Ihrer Kommunikation prinzipiell Ihre Rolle, die Sache und die Beziehung berücksichtigen.

  • Hätte Herr Meyer das getan, dann hätte er sich in seine Rolle als Mitarbeiter besser eingefunden – und die Änderungswünsche schon aus seinem Rollenverständnis heraus (nach dem Motto „Der Wunsch der Chefin ist mir Befehl!“) eingearbeitet.

  • Außerdem hätte er die beziehungsorientierte Kommunikation der Chefin sachorientiert hinterfragen können, etwa so: „Wie weit gehen Ihre Änderungswünsche denn? Ich bin bis Freitag mit Kundenterminen voll belegt, deshalb reicht meine Zeit in dieser Woche nur für kosmetische Korrekturen. Grundlegendes kann ich erst in der nächsten Woche ändern.“

     

Was die Kommunikation noch schwierig macht

1. Die „Angriffslust“ der Männer

„Gute Mädchen kommen in den Himmel …“ – Spätestens seit dem Bestseller von Ute Ehrhardt ist bekannt, dass brave Mädchen es nicht weit bringen, böse dagegen die Welt erobern. Und auch wer die Vehemenz dieser Aussage nicht teilen will, kennt Situationen, in denen Frauen eingeschüchtert auf Männer reagieren – wenn diese sie auf die Probe stellen, provozieren oder herabsetzen wollen.

Dabei meinen es Männer oft gar nicht so. Ganz im Sinne von „sich mit anderen messen“ tendieren sie einfach zu Wortgefechten. Ohne bösen Hintersinn flechten sie Provokationen, Hänseleien oder ironische Bemerkungen in ihre Gespräche ein. So manchem macht ein kleiner verbaler Schlagabtausch regelrecht Spaß. Und in ihrer Achtung steigen die, die gut parieren.

 

3 Beispiele aus dem großen Knigge:

  • Sprechen Sie über Ihre Wahrnehmung, statt den anderen zu beschuldigen. Sagen Sie statt „Du bist unordentlich und rücksichtslos“ besser Mich stört es, wenn die Socken auf dem Boden herumliegen. Bitte räume die Kleidung weg.“

  • In der Vertriebsleiterkonferenz betont Frau Emmerling: „Die Kosten müssen reduziert werden!“ Herr Müller ist angriffslustig und sucht die Konfrontation: „Ihre Sprechzeiten auch!“

  • Auf einem offiziellen Empfang treffen sich Frau Berg und Herr Frese am Buffet. Mit einem Blick auf ihren Teller bemerkt er: „Na, heute wieder richtig zugelangt – wohl lange nichts zu essen gehabt?“

    Frau Berg fühlt sich angegriffen, sucht die Beziehungsbotschaft hinter der Sachaussage und überlegt: „Bin ich zu dick?“ Sie reagiert pikiert. Herr Frese denkt: „Du meine Güte! Die versteht ja überhaupt keinen Spaß!“

 

 

 

Die Beispiele machen deutlich: Frauen sind so einen ruppigen Kommunikationsstil eher nicht gewöhnt. Sie fühlen sich durch verbale Angriffe stärker verletzt und verunsichert als Männer, weil sie ihr Verhalten mehr darauf ausrichten, die Zustimmung und Billigung anderer zu finden. Ein Angriff löst spontan nicht den Gegenschlag, sondern die Tendenz zur Flucht aus.

In solchen Momenten verschlägt es Frauen die Sprache, sie können sich nicht zur Wehr setzen. Erst wenn die konkrete Stresssituation – und verbale Angriffe sind purer Stress – vorüber ist, fällt ihnen eine schlagfertige Entgegnung ein. Doch dann ist es natürlich längst zu spät.

 

Wie können Sie die Kommunikation verbessern?

Für Frauen:

  • Beachten Sie beim Hören: Sie haben die Wahl! Sie können sich entscheiden, ob Sie auf der Sach- oder Beziehungsebene reagieren. In den meisten Fällen ist es die bessere Entscheidung, auf der Sachebene zu antworten.
  • Reagieren Sie auf provokative Äußerungen mit einer sachorientierten Gegenfrage oder einem einfachen Ja oder Nein. Im ersten Beispiel antworten Sie also am besten „Nein!“ oder „Wo sehen Sie Probleme?“. Im zweiten Beispiel: „Wie meinen Sie das?“ oder einfach „Ja“.

Für Männer:

  • Bedenken Sie beim Sprechen: Mit Ironie und Frotzeleien können Sie andere verletzen. Nur wenn die Beziehung wirklich gut ist, können Sie Glück haben, dass Ihr Gegenüber mit Ihnen lacht. Doch sicher ist das selbst dann nicht.
  • Bedenken Sie: Jeder Satz sagt mindestens genauso viel über Sie als sendende Person aus wie über die empfangende Person.


2. Die „Fragerei“ der Frauen

Frauen gehen mit Fragen unbefangener um als Männer. Sie fragen, wenn sie etwas nicht wissen, wenn sie unsicher sind, wenn sie etwas nicht richtig verstanden haben, wenn sie – die klassische Situation! – im Auto den richtigen Weg nicht kennen. Ihre Meinung: Das spart Zeit und verhindert Fehlentscheidungen.

Für Männer hingegen sind Fragen oft ein Symbol für Schwäche. Sie befürchten einen Image-Verlust, da sie durch eine Frage quasi zugeben, etwas nicht zu wissen.

 

Beispiele aus dem großen Knigge:

  • Frau Gehring sagt auf dem Elternabend: „Ich denke, Herr Weber ist der Richtige für die Position des Elternsprechers. Finden Sie nicht auch?“

    Männer empfinden diese Art von Rückfragen als Unsicherheit, denn sie würden sich zum selben Thema ganz anders äußern, etwa so: „Herr Weber ist der richtige Mann für die Position des Elternsprechers. Da bin ich mir sicher!“

  • Herr Becker kennt die Auswertung der neuesten Kundenbefragung noch nicht. Statt zu fragen: „Könnten Sie mir die Auswertung mailen?“, sagt er: „Frau Borgmann, diese Zahlen brauche ich unbedingt. Bitte mailen Sie sie mir.“ Die Kollegin fühlt sich (zu Unrecht) kritisiert und überlegt: „Habe ich den falschen Verteiler genommen?“

Wie können Sie die Kommunikation verbessern?

Für Frauen:

  • Nicht alle Fragen sind ein Zeichen von Schwäche. So sind zum Beispiel Fragen, die offensichtlich Ihrem selbstverschuldeten Informationsdefizit entspringen, nicht empfehlenswert. Besser ist es, wenn Sie sich thematisch vorbereiten und gezielte Fragen stellen.


      • „Worum geht es? Ich kenne diesen Bericht nicht.“

      • „Es gibt auch andere Meinungen dazu. Haben Sie die Studie von Herrn Professor Klein auch berücksichtigt?“
  • Üben Sie sich in sicherer Kommunikation. Zu viele unnötige Fragen lassen Sie unsicher wirken – wie eine Schülerin.

  • Fragen Sie auch in öffentlichen Kommunikationssituationen! Am Ende eines Vortrags beispielsweise stellt typischerweise ein Mann die erste Frage. Auch sind die „öffentlichen“ Fragen, die Männer stellen, kritischer und dauern länger. Sprachforscher haben gemessen: Bei einer Konferenz, bei der Frauen und Männer zu etwa gleichen Teilen als Sprecher und im Publikum vertreten sind, kommen nur rund 30 % der Fragen von Frauen. Und die Fragen der Frauen dauern nur halb so lang wie die durchschnittlichen Fragen der Männer!

 

Für Männer:

  • Fragen zeugen von wachem Geist und kritischem Verstand. Und: Fehler aufgrund von Informationsdefiziten sind teuer – und vermeidbar! Maßnahmen nach dem Motto „im Nebel stochern“ sind dazu noch zeitaufwendig. Fazit: Eine Frage zur rechten Zeit kann wertvoll sein!

6 Tipps aus dem großen Knigge: So vermeiden Sie Missverständnisse

Das treibt Männer an

Tipps für Frauen

Männer fragen: „Habe ich Einfluss? Kann ich mitbestimmen?“

Bevorzugen Sie eine klare Kommunikation. Sagen Sie deutlich Ja oder Nein, achten Sie auf eine  sichere Körpersprache. Formulieren Sie Kritik mit der „3 W“-Methode. Dann messen Männer Ihren Aussagen die gewünschte Bedeutung bei.

Männer versuchen, sich in Gesprächen zu profilieren und ihren Status festzuschreiben.

Reagieren Sie stets sachbezogen, auch auf Provokationen oder Witzeleien. Versuchen Sie, keine Beziehungsbotschaften hineinzuinterpretieren.

Männer sprechen sach- und aufgabenbezogen. Ihnen geht es mehr um Informationen, weniger um Gefühle.

Beginnen Sie kritische Gespräche mit der Frage „Was ist geschehen?“. Das fördert die Objektivität. Stellen Sie erst im zweiten Schritt die Frage nach dem Warum.

Das treibt Frauen an

Tipps für Männer

Frauen achten auf die Beziehung zum Gesprächspartner und bevorzugen indirekte Botschaften.

Hinterfragen Sie indirekte Äußerungen von Frauen direkt:

  • „Wie haben Sie das gemeint?“
  • „Habe ich richtig verstanden, dass …?“

Frauen wünschen sich Harmonie und umgehen Konflikte. Ein Nein fällt ihnen schwer.

Kommunizieren Sie sicher, aber nicht autoritär. Formulieren Sie Vorschläge als Vorschläge, Fragen als Fragen – so vermeiden Sie, dass Ihre Wünsche als Anweisungen missinterpretiert werden.

Frauen wollen keine Macht demonstrieren, sondern spielen ihre Autorität herunter.

Berücksichtigen Sie Ihre Rolle und Ihre Beziehung zur Sprecherin. Antworten und handeln Sie gemäß Ihrer Rolle.

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